Offener Brief zur Situation der Kindergärten

Offener Brief bzgl. Stadtratssitzung vom 19. April und Berichterstattung FLZ vom 21. April 2018

Anbei der offene Brief der Kirchengemeinde Uffenheim und weitere Stellungnahmen zur Stadtratssitzung vom 19. April und der damit verbundenen Berichterstattung. Im entsprechenden Artikel in der FLZ vom 21. April unter dem Titel "Rat wähnt Kirche im Schmollwinkel - Kindergartenleitungen 'glänzen' mit Abwesenheit" befinden sich Mutmaßungen und auch Dinge, die sachlich so nicht korrekt sind. Deswegen finden Sie hier eine ausführliche Antwort:


 

Offener Brief

bezugnehmend auf die Stadtratssitzung am 19. April 2018 und auf die Berichterstattung
vom 21. April in der FLZ:

Niemand ist im „Schmollwinkel“,
aber irritiert sind wir schon.

Sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates,
Bürgermeister Lampe kennt offenbar sein Schreiben an unsere Kindergartenleitungen
nicht. Dort waren Auskünfte über aktuelle Zahlen bezüglich Belegung
usw. verlangt. Diese Auskünfte in der Stadtratssitzung am 19. April 2018 auch
persönlich vorzutragen, war vom Bürgermeister lediglich als Alternative angeboten
worden. Das Schreiben des Bürgermeisters vom 9. März direkt an die
beiden Leiterinnen der evangelischen Kindergärten Karoline Kolb und St. Johannis,
Sonja Markert und Gudrun Trabert, legen wir bei, ebenso auch deren Reaktion
auf den FLZ-Artikel vom 21. April.
Wir haben uns aus guten Gründen für die schriftliche Dokumentation entschieden
(siehe die Stellungnahme von Frau Markert und Frau Trabert). Die schriftliche
Dokumentation (auch sie liegt bei) wurde tatsächlich von Dekan Rasp als
Trägervertreter unterschrieben – auch um deutlich zu machen, dass es doch
durchaus angebracht gewesen wäre, den Träger (nämlich die Evang.-Luth. Kirchengemeinde
bzw. deren Kirchenvorstand) bei einer offiziellen Aufforderung
an seine Einrichtungsleitungen wenigstens in Kenntnis zu setzen. Dies ist seitens
der Stadt leider nicht erfolgt.
(Der Kindergarten „Pusteblume“ in Welbhausen hat übrigens einen eigenen
Träger, nämlich die Evang.-Luth. Kirchengemeinde Welbhausen. Darum auch
deren Antwortschreiben durch die dortige Pfarrerin Sabine Keller.)
Warum nun unser doch sehr verbindlich formuliertes Antwortschreiben beim
Bürgermeister „Verwunderung“ und im Stadtrat „Enttäuschung“ auslöst, entzieht
sich unserer Vorstellungskraft.
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Wenn von „turnusgemäßen Berichten der Kindergartenleitungen im Stadtrat“
die Rede ist, so müssen wir feststellen, dass es diese bisher nur punktuell gegeben
hat und auf rein freiwilliger Basis beruhten. Erst mit Inkrafttreten der
neuen Betriebsträgervereinbarungen zum 1. Januar 2016 wurde geregelt, dass
ein jährlicher informeller Austausch „zwischen Gemeinde und Träger“ stattfinden
„soll“. In welcher Form – ob im Stadtrat oder mit Vertretern der Stadt(verwaltung),
ob zwischen Dekan und Bürgermeister oder zwischen Stadtrat und
Kirchenvorstand und/oder Leitungen – lässt die Regelung bewusst offen.
In der Vergangenheit jedenfalls ist Dekan Rasp immer wieder selbst initiativ geworden
und hat Runde Tische und Ortstermine mit der Stadt angeregt, um
überhaupt einmal die komplexe Thematik „Uffenheimer Kindergärten“ in den
Blick zu bekommen und in voller Breite zu diskutieren, etwa was Gebäude- und
Qualitätsstandards, Bedarfserhebungen, pädagogische Konzepte, Zukunfts- und
Finanzierungsplanungen betrifft.
Wir halten die Thematik für so grundlegend wichtig und umfangreich, dass dafür
ausreichend Zeit und auch das entsprechende Setting benötigt wird. Ob
dem Thema innerhalb einer routinemäßigen Stadtratssitzung mit vielen weiteren
Tagesordnungspunkten die notwendige Ausführlichkeit und Intensität eingeräumt
werden kann, bezweifeln wir.
Wenn sich Frau Szabo vom Johanniter-Kindergarten „Am Obstgarten“ die von
uns übermittelten Zahlen etwas genauer angesehen hätte, bevor sie sich selbst
darüber äußert, wäre ihr aufgefallen, dass die beiden Kindergärten der Kirchengemeinde
tatsächlich „aus allen Nähten platzen“. Alle Gruppen sind signifikant
überbelegt.
(In diesem Zusammenhang wundert uns sehr, dass einer Angestellten eines externen
Kindergartenträgers in einer Stadtratssitzung das Forum gegeben wird,
über die Einrichtungen eines anderen (nicht anwesenden) Trägers wertende
Aussagen zu tätigen. Wenigstens ein Mindestmaß an Neutralität im Stadtrat
wäre hier doch angebracht.)
Dass unsere Kindergartenleiterinnen guten Willens sind, den Kontakt zu Frau
Szabo zu pflegen, haben sie mehrfach gezeigt – nicht zuletzt mit einem persönlichen
Geschenk bei der Einweihungsfeier des Johanniterkindergartens, bei
dem beide evangelischen Leiterinnen anwesend waren und ihre besten Wünsche
ausgesprochen haben.
(Hat eigentlich jemand Frau Szabo gefragt, wie ihr Beitrag zur Kontaktpflege
aussieht? Hat sie zum Beispiel schon einmal einen Antrittsbesuch in den evangelischen
Kindergärten absolviert? Dazu wurde sie nämlich explizit eingeladen.)
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Ansonsten ist es auch für uns überraschend, dass selbst nach Eröffnung des
neuen Kindergartens „Am Obstgarten“ die Anmeldungen für unsere beiden
evangelischen Kindergärten bis in die Jahre 2020/21 ungebrochen sind und die
Nachfrage nicht nachlässt, während gleichzeitig der „Obstkindergarten“ laut
FLZ-Artikel nur gut zur Hälfte ausgelastet ist und dort für das neue Kindergartenjahr
bisher lediglich zwei Anmeldungen vorliegen. Und das, obwohl unsere
Leiterinnen Eltern mit ihren Kindern an den „Obstkindergarten“ verweisen (was
sie eigentlich gar nicht müssten, wozu wir sie aber anhalten).
Unsererseits ist das nicht zu erklären. Wo sind diese Kinder geblieben?
Schließlich möchten wir Sie noch darauf aufmerksam machen, dass es einen
Unterschied gibt zwischen Anmeldelisten für verbindlich bestätigte Anmeldungen
der nächsten Jahre (diese sind bei uns nach wie vor komplett voll) und
Wartelisten für Nachrücker im Fall eines unvorhergesehen freiwerdenden Platzes
(diese sind weitgehend abgebaut).
Wir wünschen uns, dass neben dem neuen „Obstkindergarten“ der Johanniter
auch unsere beiden seit vielen Jahrzehnten bewährten und kontinuierlich weiterentwickelten
evangelischen Kindergärten von Ihnen als Stadträten gleichermaßen
wertschätzend wahrgenommen werden. Auch unsere Leiterinnen und
ihre Mitarbeiter/innen und deren großes Engagement haben Ihr Lob verdient.
Und auch auf die evangelischen Kindergärten dürfen Sie stolz sein, in die wir
auch als Kirche – wie Sie wissen – in den letzten Jahren viel Geld und Mühe investiert
haben. Letztendlich auch zur Entlastung der Stadt.
Gerade und besonders für Uffenheim gilt, dass die evangelische Kirche und ihre
Einrichtungen, Diakonie (Gerlach-von-Hohenlohe-Stift, Zentrale Diakoniestation,
Beratungszentrum) und kirchliche Stiftungen (Bomhardschule) zum Teil
seit Jahrhunderten segensreich wirken zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger.
Das ist zu würdigen und zu respektieren. Und zwar unabhängig davon, ob man
sich selbst als kirchennah versteht oder nicht.
Niemand befindet sich im „Schmollwinkel“.
Und „sportlich“ haben wir schon einiges genommen.
Doch alle hoffen wir auf ein entspanntes, faires und korrektes Miteinander.
Wir sind nicht Ihre Konkurrenten oder Gegner.
Wir sind Ihre Kirche.
Wir sind Ihre Partner.
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Darum laden wir Sie auch ein zu einem echten Dialog auf Augenhöhe, zum Beispiel
bei einem baldigen Treffen von Stadtrat und Kirchenvorstand – gerne
auch öffentlich und in einem unserer Kindergärten und mit unseren Mitarbeitenden
und den Eltern.
Wir bitten um konkrete Terminvorschläge.
Sie können aber auch jederzeit einzeln oder mit Ihren Fraktionen auf uns zukommen.
Wir informieren Sie.
Die Verfasser
im Namen der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Uffenheim:
Dekan Karl-Uwe Rasp
Vertrauensmann Hans-Martin Walther
Verwaltungskirchenvorstand Gerhard Moser
Uffenheim, 25. April 2018