3. Andacht im Advent

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Bildrechte: Caroline Lauscher

Eigentlich will ich gar nicht darüber reden. Denn schließlich bestimmen sie unsere Welt schon genug, die Ängste. Doch sie sind nun mal da, ganz besonders mächtig in diesen Zeiten und in vielerlei Hinsicht existenzbedrohend. Daher ist es entscheidend, mich mit meinen ganz persönlichen Unheilsängsten auseinanderzusetzen: Angst, dass andere Macht über mich haben könnten, dass ich belächelt werde, dass das, was ich tue, nicht gut genug ist.
Kein Wunder, dass ich in diesem Bild von Caroline Lauscher aus ihrem Adventszyklus auf Anhieb einen mächtigen Löwenkopf, eine lachende Hyäne, und einen fetten Mistkäfer sehe - bereit zum Sprung. Sie alle kreisen bedrohlich schwarz gezeichnet und mit kräftiger Farbe getränkt um eine schale Bildmitte. Von dort blickt mich ein kindliches Gesicht mit großen Augen wie aus weiter Ferne an.

Gut, dass ich sie zumindest schon mal sehen kann, diese Widerlinge. Sie wollen mich bestimmen und das innere Kind in mir vernichten. Je mehr ich sie verdränge, desto subtiler wirken sie in mir und beeinflussen meine Entscheidungen. Ob ich mich je mit ihnen aussöhnen kann? „Liebet eure Feinde“, ruft ER mir ermutigend zu (Mt 5,44). Meine Ängste umarmen können und ihnen so die Macht nehmen - das wäre mal was Neues. Dann könnte auch etwas Neues aus ihnen entstehen: eine Gegenkraft zu allen Unheilsängsten. Genau dazu braucht es mein inneres Kind, die Unerschrockenheit des Anfangs. Denn in meinem inneren Kind ist die Liebeskraft da, die der Ewigkeit entspringt. Unvernichtbar da. Stark und mächtig - auch im Kleinen. Darüber will ich reden.

Pfarrerin Heidi Wolfsgruber

Zum Bild:
Über was will ich reden? Auf dem Bild von Caroline Lauscher sehe ich eine mächtigen Löwenkopf, eine lachende Hyäne und einen fetten Mistkäfer. Bereit zum Sprung umkreisen sie die Bildmitte, von wo aus mich ein kindliches Gesicht anblickt.
Gut, dass ich sie schon mal sehen kann, diese Widerlinge, die mich bestimmen und das innere Kind in mir vernichten wollen. Ängste, die Macht über ich haben wollen, mich auslachen, mir einreden, dass ich nicht genüge. Je mehr ich sie verdränge, desto mehr und subtiler beeinflussen sie mich und meine Entscheidungen
Doch ER ermutigt mich: „Liebet Eure Feinde!“ Nur diese, der Ewigkeit entspringende Liebeskraft, mag ihnen die Macht zu nehmen. Diese Kraft der Unerschrockenheit, diese Liebeskraft - sie ist da. Unvernichtbar da, stark und mächtig auch im Kleinen - auch in mir. Darüber will ich reden.